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Aus dem Tagebuch einer Angehörigen – Teil 8

RoseMeine letzte Tagebucheintragung datiert vom 1. Januar 1990 mit der Überschrift: „Ich bin glücklich – grundlos glücklich (!?) Nein, nicht grundlos, sondern weil ich dankbar bin. Dankbar, weil sowohl ich als auch all die Menschen, die mir nahe stehen, gesund und ohne Probleme den Übergang in ein neues Jahrzehnt gefunden haben. Dankbar, dass ich zu Al-Anon gefunden und dort liebe Menschen kennengelernt habe, denen ich mich anvertrauen kann und die mich so nehmen, wie ich bin…“ Zunächst mal war ich sehr erstaunt, als ich beim Durchlesen meiner Tagebücher diese Überschrift sah und feststellte, dass ich tatsächlich auch zeitweise glücklich war.

Damit endeten dann aber meine Aufzeichnungen und dafür gab es wohl verschiedene Gründe. Zum einen konnte ich meine Sorgen und Nöte nun direkt im Meeting mit Freunden/Innen teilen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten und mich verstanden.

Zum anderen habe ich bei Al-Anon im Laufe der letzten Jahre den einen oder anderen Dienst übernommen, an dem ich gewachsen bin und ein neues Selbstwertgefühl bekommen habe.
Auch nehme ich nach Möglichkeit an den Regionalen- und Intergruppen-Meetings teil und fahre zu den Herbsttreffen der A.A. und den großen Deutschsprachigen Ländertreffen der A.A., die ich immer wieder sehr ergreifend finde. Bei ungelösten Problemen und Entscheidungsschwierigkeiten verfalle ich nicht mehr in Selbstmitleid, sondern nutze den „Draht“ zu meiner Höheren Macht, ich „rufe oben an“, sage, was mich bedrückt und lasse dann los. Das ist wie bei einem Anrufbeantworter: ich bekomme nicht gleich eine Antwort, aber es funktioniert nach dem Motto: „Wenn Gott dir helfen will, lässt er nicht mit Blitz und Donner ein Wunder geschehen, sondern er schickt dir einen Menschen“.
Inzwischen bin ich bereits zum zweiten Mal Großmutter geworden und auch das ist ein Grund, warum das Tagebuchschreiben für mich nicht mehr so wichtig ist. Es macht so viel Freude, diese kleinen Wesen heranwachsen zu sehen – da bleibt wenig Zeit zum Trübsal blasen. Bin auch noch einmal umgezogen, um in der Nähe der jungen Familie zu sein und mich im Notfall kümmern zu können. Auch mein Ex ist stolzer Opa. Er ist (oh Wunder) wesentlich solider und zuverlässiger geworden und lässt keine Gelegenheit aus, seine Zeit bei und mit der Familie – und vor allem den Enkelkindern – zu verbringen.

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass eine Sache gut ausgeht. Hoffnung ist die Gewissheit, dass eine Sache Sinn macht, egal wie sie ausgeht.

(v. Havel – tschechischer Präsident und Schriftsteller)