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Aufmerksamkeit für mich

Foto Geburtstagstorte mit Erdbeeren und KerzenWie schmerzhaft ist es, das Leiden geliebter und Nahestehender in der „ersten Reihe“ zu erleben und zuschauen zu müssen? Es zerreißt mir das Herz.
Mein Bruder hatte vor Kurzem einen nicht gerade leichten Eingriff, aufgrund seiner Krankheit und der Lebensweise mit Alkohol und schickt Bilder von seinen ersten Ausflügen nach dem Krankenhausaufenthalt, aus Gaststätten, mit den dementsprechenden Getränken – und ich sehe zu … – und ich kann es nicht ändern, weil ich Alkohol gegenüber machtlos bin und an diesen Ersten Schritt muss ich mich immer und immer wieder erinnern.
Ich bin nicht nur Alkohol gegenüber machtlos, sondern auch vielen anderen Dingen, z.B. wenn Leute andere psychische und physische Krankheiten, Begleiterscheinungen des Alters, berufliche Probleme haben. Ich darf mich da überall raushalten, was ich einerseits als total entlastend empfinde, was mich andererseits total traurig werden lässt, dem Leid tatenlos zuzusehen.
Die Einzige, die ich dringend aufpäppeln muss, pflegen, über Wasser halten, lieben, umsorgen, aufheitern, „betüddeln“, zum Arzt begleiten, ihre Angelegenheiten regeln, ist meine beste Freundin, bin ich !
Ich leide an den Auswirkungen der Familienkrankheit und ich habe es dringend nötig, jeden Augenblick: Wachsamkeit und Aufmerksamkeit mir gegenüber.
Dies ist mir in Al-Anon zur täglichen Übung geworden und ich bin voll ausgelastet und beschäftigt damit, dass ich für die Probleme anderer eigentlich gar keine Zeit habe. Den ganzen Tag über frage ich mich: Bin ich müde, bin ich hungrig, bin ich traurig, habe ich meine Gedanken und Finger woanders und nicht bei mir, was in unserer Literatur könnte mir im Moment helfen, was kann ich noch tun, um mich abzugrenzen, pflege ich mich gut, mache ich auch etwas Abbildung einer Geburtstagszahlfür mich, was mir Freude macht, mache ich Pausen, was baut mich jetzt auf, auf was habe ich Bock?
Wenn ich wie besessen meine, anderen helfen zu müssen, dann vor allem, weil ich die Trauer und den Schmerz bei mir nicht aushalten kann und versuche zu lindern. Ich bin bei Al-Anon, weil Angehörige, wie es irgendwo in unserem Tagesspruchbuch steht, ganz viel Liebe brauchen. Das Meeting begleitet mich in meiner Trauer, der Annahme der Realität der Krankheit und der Bewältigung meines Alltags.
eine Al-Anon

2 Kommentare

  1. Astrid schrieb:

    Danke, es bestätigt sich wieder, ich bin nicht allein und so richtig bei Al-anon … Und auf dem guten Weg mir die beste Freundin zu sein 🙂 Ich wünsche fröhliche 24 Stunden ! Astrid eine Al-anon

    Mittwoch, 6. September 2017 um 09 | Permalink
  2. Julia schrieb:

    Ich bin sehr beruehrt und bestaerkt von Deinen Zeilen! Ich moechte mich auch auf mich konzentrieren und mich um mich kuemmern. Je mehr mir das gelingt, umso besser geht es mir und umso besser kann ich mich um mich kuemmern! Ganz genau! Mach weiter so! Liebe Gruesse, Julia

    Donnerstag, 7. September 2017 um 08 | Permalink

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