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Alleine kann ich es nicht schaffen

Foto von einem orientalischen SpringbrunnenKörperlich angegriffen, geistig verkümmert und seelisch völlig am Ende, so kam ich zu meinem ersten Al-Anon Meeting. Fast ohne Hoffnung saß ich nun da und hatte Erwartungen und auch wieder keine. Tatsache war, dass dort Menschen waren, die mir zuhörten und mich zu verstehen schienen.
Genau das war es, was mir gut tat, was ich entbehrt hatte im Alltag, im Leben mit einem Alkoholiker. Vor allen Dingen aber war meine brennende Frage: „Wie mache ich es, dass mein Mann keinen Alkohol mehr trinkt ?“ Viel habe ich – so erinnere ich mich – nicht aufnehmen können in diesen ersten zwei Stunden.Aber gespürt habe ich wohl, dass es Hilfe gibt, damit ich mich etwas besser fühle.Obwohl es schwierig war, von Zuhause wegzukommen, und mir nach den ersten Meetings immer ein schlimmer Empfang bei meiner Rückkehr drohte, zog es mich immer wieder hin. Die Angst, die mein ständiger Begleiter war, hat mich wohl immer wieder hingeführt; denn dort konnte ich meine Angst wenigstens für zwei Stunden vergessen.

Veränderungen bei mir blieben nicht aus, und genau das spürte wohl auch mein Mann. Er hörte von einem Tag auf den anderen auf zu trinken, sicherlich, um mich zu Hause zu halten.
Ich hatte noch zu wenig begriffen, um weiter für mich in die Gruppen zu gehen. Es ging mir meiner Meinung nach ja schon ganz gut. Bis ich eines Tages merkte, dass der Alkohol wieder zwischen uns stand und auch mich wieder voll in der Hand hatte. Ich erinnerte mich, wie meine Freunde in der Gruppe gesagt hatten, dass ich nach dem ersten der Zwölf Schritte in Al-Anon „machtlos gegenüber Alkohol“ wäre „und mein Leben nicht mehr meistern kann“.
Das ließ mich nicht mehr los. Und obwohl ich mich schämte und noch mehr Angst hatte als je zuvor, versuchte ich, wieder ins Meeting, zu kommen. Mir wurde kein Vorwurf gemacht wegen meines Wegbleibens.

Von da an ging ich für mich hin, und ganz wichtig war, dass es dort ein Lebensprogramm für mich gab: das Zwölf-Schritte-Programm. Ich hatte ständig nach dem Sinn des Lebens gefragt, der mir total abhanden gekommen war. In kleinen Schritten konnte ich langsam anfangen, an meiner Genesung mitzuarbeiten.

Alleine kann ich es nicht schaffen, ich brauche die Freunde in der Gruppe und den Gedankenaustausch. Viel wird von der Höheren Macht gesprochen. Alles, was ich nicht schaffen kann, darf ich loslassen und Gott überlassen. Ich darf um Gelassenheit bitten und hinnehmen, was ich nicht ändern kann. Ich habe mit Hilfe von Al-Anon mein Gottvertrauen neu erfahren und auch den Mut gefunden, Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Manchmal fällt es schwer, das eine vom anderen zu unterscheiden, aber es gelingt immer besser. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Zum Ende eines jeden Meetings sagen wir oft die Worte: „Komm wieder, es funktioniert!“ Ich werde Al-Anon wohl immer brauchen. Darum gehe ich auch immer wieder hin.

St., gehöre zu Al-Anon