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Alkoholismus und Silvester

KlinikViele Jahre haben wir Silvester gemeinsam mit Freunden bei gutem Essen und Rotwein verbracht.
Obwohl ich irgendwann den Alkoholismus meines Mannes ahnte und auch schon bei Al-Anon war, gingen diese Silvester-Feiern noch längere Zeit gut.

Es ist eben normal, an Silvester relativ viel Alkohol zu trinken und über die vielen Stunden bis Mitternacht hat das den Pegel meines Mannes so gut füllen können, dass er sich wohlfühlte und sich noch einigermaßen benehmen konnte.

Dann kam die Zeit, in der es nicht mehr ging.
Entweder war zu früh zu betrunken, oder er begann zu spät zuhause zu trinken und blieb zitternd im Bett und ich blieb jeweils auch zuhause.

Ich sagte unseren Freunden natürlich nichts, ich deckte ihn, wie so viele Angehörige das mit ihren Alkoholikern machen. So wurde Silvester immer mehr zu einem „blöden“ Abend für mich.

Dann nahm ich auch mal an einer gemeinsamen Silvester-Feier der AA und Al-Anon teil, aber um Mitternacht wurde ich auch dort sehr traurig. Alkoholismus macht Angehörige einsam, besonders an Feiertagen.

Irgendwann begann mein Mann eine monatelange stationäre Therapie. Und die ging  auch über Silvester. Die Angehörigen wurden eingeladen, mit den Patienten dort den Jahreswechsel zu verbringen.
Erst überlegte ich, aber ich kam zu dem Schluss, wenn unsere Beziehung noch einen Sinn hatte, dann war jetzt der Anfang eines gemeinsamen Lebens ohne Alkohol.

Also sagte ich zu und musste vorher noch alle meine Rezepte von alkoholfreien Drinks und dem alkoholfreien Punsch durchgeben. Mein Mann erzählte mir von den vielen Vorbereitungen der Patienten für diese denkwürdige Feier, sie alle dort wollten den Jahreswechsel irgendwie würdigen und mussten lernen, das erstmalig ohne Alkohol zu schaffen. Trübsal blasend alleine im Zimmer sollte es nicht sein.

Am frühen Abend kam ich an und musste feststellen, dass ich die einzige Angehörige war, die sich entschlossen hatte, zu Silvester dorthin  zu kommen. Es war sicher eine große Enttäuschung für einige Mitpatienten, zu hören, welche Gründe wichtiger waren, als den Jahreswechsel dort mit den Partnern zu verbringen.
Mir war auch ein wenig mulmig, von so viel „Unsicherheit“ und  „Trauer“ umgeben zu sein. Aber ich spürte, dass es gut für mich war, dass ich dort war.
Egal wo ich sonst gewesen wäre, ich wäre doch wieder traurig gewesen.

Bis Mitternacht wurde ich verwöhnt mit allem, was für die Gäste geplant war.
Und ab Mitternacht habe ich die Hoffnung gespürt, von der in der Al-Anon-Präambel die Rede ist.

Ein neues Jahr begann, und mit ihm die Hoffnung, dass es doch Sinn machen kann, dass es anders werden kann, dass es auch ohne Alkohol geht. Das haben alle gespürt!

Diese Silvesterfeier dort in der Suchtklinik war sicher bisher meine  denkwürdigste, aber nicht die schlechteste. Ich habe es nicht bereut.

Wir hatten Glück, mein Mann ist jetzt seit vielen Jahren trocken und wir verleben heute die Jahreswechsel friedlich und still.

Die Al-Anon Präambel sagt,  dass wir glauben, dass Alkoholismus eine Familienkrankheit ist, und dass eine veränderte Einstellung die Genesung fördern kann. Ich habe das erleben dürfen und diese Hoffnung möchte ich gerne mit euch teilen !

Euch allen wünsche ich ein schönes neues Jahr !

Margarete

Ein Kommentar

  1. Rosemarie schrieb:

    Danke, Margarete! Den Jahreswechsel konnten wir auch seit zig Jahren (fast 28 Jahre war mein Mann trocken, bevor er diese Welt verlassen musse) / kann ich ohne Alkohol gut verbringen.
    Euch allen viele gute 24 Stunden für 2013!
    Rosemarie

    Sonntag, 30. Dezember 2012 um 15 | Permalink