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Alkoholismus eine Familienkrankheit

Abbildung einer GeburtstagszahlAls ich in den ersten Meetings bei Al-Anon hörte, dass Alkoholismus eine Familienkrankheit ist, war ich wie vom Blitz getroffen und gleichzeitig erleichtert. Ich habe verstanden, dass meine gescheiterten Beziehungen, meine Arbeitsabbrüche und meine Ängste vor Menschen einen Zusammenhang hatten. Einerseits fühlte ich mich gefangen in Verstrickungen und damit „fremdbestimmt“. Andererseits fühlte ich mich nicht mehr komisch. Ich verstand noch nicht, wie ich in mein verrücktes Denken und Handeln verstrickt war, aber ich verstand, dass es einen Grund gab.
Je länger ich nun bei Al-Anon bin, fällt mir immer schneller mein Autopilot auf. Ich erlebe mich immer mal wieder in Situationen, in denen ich fremdbestimmt rede und handele. Mir fällt es aber früher auf und ich weiß nun, dass ich die einzige bin, die dafür verantwortlich ist.
Am Anfang fand ich es auch nicht so schön anzusehen, was ich alles mache und sage. Auch ich verletze meine Mutter mit abwertenden Worten, da ich sie dafür bewerte, dass sie sich nicht mit ihrer Krankheit auseinandersetzt.
Zum Glück stand und steht mir meine Sponsorin zur Seite und sie wird nicht müde, mir immer wieder zu sagen: “ Sei nachsichtig mit Dir. Es wird Dir irgendwann geschenkt werden, wenn Du in den Schritten arbeitest.“

Ich sehe vor allem, dass ich immer noch gegen meine Machtlosigkeit kämpfe. Dank Al-Anon, indem ich in Meetings gehe, Literatur lese, mich mit meiner Sponsorin regelmäßig austausche und mehr und mehr mit Al- Anon Freundinnen und Freunden rede, wird mir mein innerer Drang bewusster: Ich darf nur mein Leben leben, wenn meine Familie gesund ist. Die beiden Verknüpfungen passen aber einfach nicht zusammen.

Ich darf mein Leben leben. Punkt. Meine Familie darf gesund sein. Punkt. Meine Familie darf auch nicht gesund sein. Punkt.
Das ist mir im Kopf schon klarer geworden, dass ich die Krankheit nicht verursacht habe, dass ich sie nicht kontrollieren kann und dass ich sie nicht heilen kann.
Um dies auch in meinem Herzen zu haben, bete ich zu meiner Höheren Macht, teile in Meetings darüber und rede mit meiner Sponsorin/Freundinnen/Freunden darüber.
Im Moment kann ich es nur loslassen und Gott überlassen mit der Hoffnung, dass ich es irgendwann geschenkt bekomme. Was ich merke ist, dass Dankbarkeit in meinem Herzen wächst. Dankbarkeit dafür, dass ich auf dem Weg meiner Genesung bin. Dankbarkeit dafür, dass meine Höhere Macht mich begleitet. Dankbarkeit dafür, dass ich zu Al-Anon gehöre.
Danke
Deniz Johanna

Ein Kommentar

  1. Heike schrieb:

    Danke für diesen Text! Sehr schön beschrieben, unsere „Knoten im Gehirn“, die Vermischung zwischen „Du und Ich“ und endlich, dank Al-Anon, die Ent-Mischung und die Klarheit, die Realität, die in unser Leben Einzug hält…endlich Verantwortung für unser Leben übernehmen.

    Montag, 8. Mai 2017 um 16 | Permalink