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Alkoholismus, Al-Anon hilft Angehörigen

Alkoholismus, eine Krankheit von Geist, Seele und Körper

Angeregt durch unsere Literatur, dachte ich heute über meinen Geisteszustand während der Zeit mit dem nassen Alkoholiker nach. War ich wirklich auch geistig krank? Ja, das war ich und kann es heute auch ganz klar sehen.

Beispiele fielen mir wieder ein. Ich konnte nicht lesen, nicht fernsehen, nicht mal die Wäsche bügeln, war bei der Arbeit in Gedanken bei meinem Mann und in Sorge, dass er bloß nicht betrunken anruft. Ich konnte daheim manchmal nur noch wie besessen am Fenster stehen und auf meinen Ehemann warten. Wann kommt er endlich von der Arbeit? Eigentlich war doch schon vor zwei Stunden Schichtende. Steht er wieder am Büdchen? Trifft er sich mit seinem Freund und Kollegen auf einen Absacker? Ich war so sehr von der Alkoholkrankheit beeinflusst, dass ich jeden gesunden Menschenverstand, die Vernunft verloren hatte. Ein Ereignis ist mir in bildhafter Erinnerung geblieben. Ich stand mal wieder wie gebannt am Fenster und mein kleiner Sohn rief nach mir. Ich konnte mich nicht lösen, war wie festgeklebt auf meinem Aussichtsplatz und antwortete immer wieder: „Ich bin gleich bei dir“. Das ging so lange, bis er bitterlich zu weinen anfing. „Mama, ich will dir doch nur Gute Nacht sagen!“. In dem Moment war es wie ein Aufwachen aus einer Starre. Im Innen und Außen war ich nicht in der Lage gewesen zu agieren. Ich konnte mein Leben nicht mehr meistern.
Nicht mal vom Fenster konnte ich mich lösen. Ist das Verhalten gesund um ein Kind großzuziehen? Ich musste etwas oder mich ändern, damit das Aufwachsen in ein gesünderes Leben möglich werden könnte.
Der Weg zu Al-Anon ermöglichte es mir, einen Weg aus der Starre zu finden. Ich suchte Kontakt zu einer Frau aus dem Meeting und begann, mit ihrer Hilfe in den Schritten zu arbeiten. Seele und Körper hatten sich relativ schnell erholt. Der Geist war nicht so einfach auf einen gesunden Umgang mit der täglichen Realität zu trainieren. Ich war schon mit dem Fünften Schritt fertig, hatte meine Geheimnisse gelüftet und trotzdem fühlte ich mich immer noch nicht frei. Einen tatsächlichen Kontakt zu einer Höhere Macht, von der im Meeting gesprochen wurde, hatte ich bis dahin noch nicht gefunden. Der innere Druck war so groß, dass ich irgendwann nur noch beten konnte oder vielleicht sogar musste. Zu wem war mir egal. Es war nicht der Gott meiner
Kindertage, auch nicht der, der meinen Ehemann nicht trocken werden ließ, obwohl ich doch so oft darum gebeten hatte. Ich sah mich schon in der „Klapsmühle“ und auf einmal war es da, das Gefühl: ich bin nicht mehr allein. Der Sorgenrucksack ist weg. Dieses Finden einer spirituellen Macht war für mich der Schlüssel. So lange ich die Verbindung aufrecht erhalte, wirkt es bis heute.
Ich lese viel in der Al-Anon Literatur, habe intensive Gespräche mit Mitgliedern und gehe regelmäßig in die
Meetings. All das ist mein Lösungsmittel in Situationen, die mich „festkleben“ lassen. Vertrauen und Zuversicht machen mich heute in meinen Handlungen unabhängiger von kranken Einflüssen.
Danke, Al-Anon