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Al-Anon, ein 24Stunden-Programm der Dankbarkeit

Dankbarkeit„Das Heute gehört mir.

Diese kurze Zeitspanne will ich dafür nutzen,

was notwendig ist zu tun

und ein wenig Zeit zum Vergnügen

und zum Nachdenken übrig zu haben.“

(Nach Al-Anon: „Nur einen Tag nach dem anderen“ vom 19. März)


Wir alle – die FreundeInnen von Al-Anon – kennen den Slogan „Nur für heute“.

Wir wissen, weder die Probleme aus der Vergangenheit noch die Unwägbarkeiten der Zukunft sollten im Mittelpunkt unseres heutigen Denkens stehen.

Das Jetzt und Heute ist die Achse, um die sich unser Leben bewegt.
Uns ist klar, das Heute ist der kurze Wimpernschlag unseres Lebens, den wir wirklich beeinflussen können.

Und es liegt an jedem selbst, ob er seinem heutigen Tag positiv oder negativ entgegenschaut.

An schönen und hellen Tagen ist es meistens nicht schwer „gut drauf zu sein“.

Doch angenommen, ich bin heute krank, habe Schmerzen und fühle mich zerschlagen.
Das könnten doch eigentlich die besten Voraussetzungen sein, um negativ in die Welt zu blicken: Krankheit – Schmerzen – Angst, wie es weiter gehen soll!
Aber, habe ich eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, dass Krankheit nicht nur etwas Negatives ist, sondern mir auch etwas sagen könnte?

Mir fällt ein, wie oft ich bereits bei kleinen Wehwehchen, wie z.B. bei Halsschmerz, sagte: „Ich bemerke erst jetzt, da es mir wehtut, wie oft ich schlucken muss.“
Schmerzen erwecken also Aufmerksamkeit – und das nicht nur im negativen Sinne, denn sie machen mir klar, dass Wohlbefinden und Gesundheit ein Geschenk sind.

Besonders gerne erinnere ich mich daran, wie beglückend ich es empfunden habe, als nach einem Eingriff am Herzen die Lebenskräfte wieder zurückkehrten, wie ich mich wieder wie früher bewegen und ruhig schlafen konnte und wieder bewusst einen Abendhimmel oder die Schönheit einer blühenden Wiese bewundern durfte.

Bereits vor 500 Jahren sagte ein Weiser „Wir sollten nicht mehr Gesundheit als Krankheit begehren, weil wir nicht wissen können, was für uns besser ist, was uns eher hilft, an das Ziel unseres Lebens zu kommen.“

Und auch Goethe wusste dazu: „Ich habe viel in der Krankheit gelernt, das ich in meinem Leben nirgends hätte lernen können.“

Mag sein, das diese Aussagen manchem etwas übertrieben vorkommen, doch auf eines können sie sicher aufmerksam machen: Wir wissen in Wirklichkeit nicht, was uns auf unserem Lebensweg förderlich ist und was nicht.

Krankheit ist oft ein „Augenöffner“. Sie lässt uns erkennen, was wir zuvor als allzu selbstverständlich angesehen haben.

Könnte es sein, dass dieses auch für die Familienkrankheit Alkoholismus gilt?
Mir jedenfalls war früher nie klar, dass Angehörige von Alkoholikern vergleichbar krank sind, wie die Alkoholiker selbst.

Es ist eine himmlische Gabe, sich an Kleinigkeiten erfreuen zu können.
Und es ist erst recht ein Geschenk der Höheren Macht, die großartigen Fähigkeiten wahrnehmen zu können, die mir durch meinen Körper, meinen Geist und meine Seele für eine gewisse Zeit geliehen sind.
Ich kann diese Dankbarkeit für die tausendfachen Geschenke, die das Leben für mich bereithält, auch wahrnehmen ohne sie stets aufs Neue durch Krankheit entbehren zu müssen.

Dieses gelingt mir auch deshalb, weil mich das Schicksal zu Al-Anon geführt hat und mir durch die Arbeit in unserem Programm die Augen geöffnet hat.

Ich habe begriffen, Krisen sind dazu da, dass ich mich weiterentwickle.

Und schließlich noch ein Gedanke des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi, der nicht nur für heute gilt:
„Nichts ist dem wahren Glück so sehr im Wege, wie die Gewohnheit, Veränderung von der Zukunft zu erwarten.“

Hubert

3 Kommentare

  1. leora schrieb:

    Wunderschön Hubert!!!!
    Wer war der Weise vor 500 Jahren?

    Mittwoch, 12. Juni 2013 um 12 | Permalink
  2. Ingrid schrieb:

    Danke, lieber Hubert, für Deinen wunderbaren Beitrag!

    Sonntag, 16. Juni 2013 um 08 | Permalink
  3. Ingrid schrieb:

    Danke, das hat mir jetzt so gut getan.

    Dienstag, 10. Dezember 2013 um 20 | Permalink