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Das bin ich mir wert

Abbildung einer GeburtstagszahlWährend der Zeit mit dem aktiven Alkoholiker wussten die Ärzte häufig nichts mit meinem desolaten Gesundheitszustand anzufangen. Auf Nachfragen zu meiner Lebenssituation fand ich immer gute Ausreden für Erschöpfung, Schlaflosigkeit und Unruhe. Ich wollte nicht erzählen, was sich tatsächlich hinter meiner Fassade versteckte. Angst, eine riesige Angst. Wovor eigentlich? Versagt zu haben, weil der Alkoholiker in meinem Leben trotz Versprechungen nicht aufhörte zu trinken. Entdeckt zu werden, dass die geschminkten Augen meine verheulten Augen überdecken sollten. Beim Lügen erwischt zu werden, weil ich das Geld für die Geburtstagssammlung nicht daheim vergessen hatte, sondern so kurz vor dem Monatsende, gar kein Geld mehr zur Verfügung stand und so weiter.
Meine damalige Hausärztin wusste von meinem trinkenden Ehemann, denn er war auch ihr Patient. Sie tat ihr bestes und verschrieb mir letztendlich Beruhigungsmittel, Herzmedikamente und Stimmungsaufheller. Wie sollte sie auch hinter die Ursachen kommen, wenn ich sie ihr nicht erzählte. Gefüllt mit Scham und Schuld hatte ich alles weggepackt, was irgendwie die Realität verraten konnte. Ein Umdenken oder die Einsicht, dass ich etwas anders machen müsse, kam mir bei einem Krankenhausaufenthalt in der Neurologie, wo ich zur Abklärung unklarer Symptome behandelt wurde. Mit mir im Zimmer war eine Frau, die offen von ihrem Mann erzählte, der ständig trank und sie im Laufe der Jahre unter immer neuen Zwängen litt, die sie zwischen Neurologie und …weiterlesen …

Mich auf mich selbst konzentrieren

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)Manchmal ist es nicht so wichtig, was ich tue, sondern warum ich es tue. Wenn ich mich zum Beispiel dafür entscheide, offen auszusprechen was mich ärgert, werden meine Motive zu sprechen Einfluss darauf haben, was ich sage und wie ich es sage. Wenn ich spreche, weil ich denke, dass dies nun der richtige Zeitpunkt ist und weil ich das Bedürfnis habe, mich zu äußern, dann konzentriere ich mich auf mich selbst. Die Reaktionen des Ansprechpartners werden so weniger wichtig.

Wenn ich aber spreche, um Andere zu manipulieren oder zu ändern, wird die Reaktion der anderen zum Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit und zum Maßstab, nach dem ich die Ergebnisse bewerte.

Ich benutze vielleicht in beiden Situationen die gleichen Worte, aber wahrscheinlich fühle ich mich viel besser, wenn ich mich auf mich selbst konzentriere. Es liegt Ironie darin, dass auch die Ergebnisse meistens wesentlich günstiger zu sein scheinen, wenn ich auf diese Weise vorgehe.

Überlegung für Heute

Heute werde ich, anstatt nur nach den Ergebnissen zu schielen, darauf achten, so zu handeln, wie ich glaube, dass es für mich richtig ist.

„Selbst wenn ich wüsste, dass die Welt morgen in Stücke bräche, würde ich heute noch meinen Apfelbaum pflanzen.“

Martin Luther

Quelle: Mut zur Veränderung – 05. November – Seite 311

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
Emilienstraße 4 – D – 45128 Essen
Tel. : 0201 / 77 30 07 – www.al-anon.de

Meine trinkende Tochter

Abbildung einer GeburtstagszahlIch muss meiner trinkenden Tochter keine Vorwürfe mehr machen
Als ich vor einem Jahr zu Al-Anon kam, war ich so verzweifelt, dass ich hoffte, hier endlich die Lösung für mein Problem zu finden. Meine Tochter ist seit vielen Jahren Alkoholikerin und hat auch schon einmal eine viermonatige Entziehungskur gemacht, die leider ohne Erfolg blieb. Sie wurde gleich danach wieder rückfällig. Diesen Entzug hat sie nur auf Grund meines Drängens, ja sogar massiver Drohung gemacht.
Bei Al-Anon habe ich gelernt, dass man machtlos gegen den Alkohol ist und nur der Alkoholiker selbst die Entscheidung trifft, ob er mit dem Trinken aufhört.
Bei Al-Anon habe ich natürlich nicht das Rezept für das Trockenwerden meiner Tochter bekommen, aber eindringlich vermittelt bekommen, dass nur ein Loslassen meine Verzweiflung mildern, bzw. schrittweise aufhellen kann. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich einmal meiner trinkenden Tochter anders als mit Vorwürfen und Drohungen entgegentreten könnte. Dank Al-Anon ist es möglich geworden. Natürlich bin ich noch oft verzweifelt und mutlos, denn meine Tochter trinkt immer noch. Aber es kommt nicht mehr zu solch schlimmen Abstürzen und somit zu diesem aggressiven Verhalten. Sie geht seit einigen Monaten zum Blauen Kreuz und das wirkt sich sehr positiv aus.
Meine Teilnahme an den Al-Anon Meetings sieht sie sehr positiv und wahrscheinlich auch meine veränderte Einstellung zur ihrer Krankheit. Sie will ja mit dem Trinken aufhören – hat es aber leider bis heute noch nicht geschafft. Meine Hoffnung ist, dass sie es doch noch schafft. Meine zwei Enkelkinder sind natürlich durch das Trinken der Mutter geprägt, und das ist irreparabel. Auch damit muss ich leben, denn wir lernen in Al-Anon im Heute zu leben, was mir noch oft schwerfällt. Oft denke ich an das Vergangene und habe Angst vor der Zukunft. In den Meetings erfahre ich, wie andere mit dem Problem fertig werden, und das ist tröstlich und nachahmenswert. Es ist ein Segen, dass es diese Selbsthilfegruppen gibt, sowohl für die Alkoholiker als auch für die Angehörigen.

Elsbeth, eine Al-Anon

Wir haben ein Recht auf Freude

Foto vom Al-AnonbuchGibt es einen schöneren Anlass, als an einer Feier zum 50 jährigen Bestehen von Al-Anon
Deutschland auch die Freude über meine eigenen Fortschritte mit vielen Menschen zu teilen? Ich meine nein.
Genau an diesem Tag wurde spürbar, was es bedeuten kann, den Weg „Vom Überleben zur Genesung“ zu gehen. In drei Lebensgeschichten konnte ich wieder mitfühlen, wie es war, unter den Auswirkungen des Alkoholismus als Kind oder Partner zu leiden. Ich durfte wieder hören, wie es dank der Anwendung unseres Programms gelingen kann, aus diesem Karussell auszusteigen, und dass ich ein Recht auf ein eigenes, selbstbestimmtes und verantwortungsvolles Leben habe. Ich erinnerte mich wieder daran, wie schwer es auch mir fiel, überhaupt in ein Meeting zu gehen. Wie fast wundersam dann mein erster Abend war, denn ich hörte bereits Teile meiner eigenen Geschichte, war willkommen, ohne etwas tun oder sagen zu müssen…ich wurde einfach angenommen, ohne Bedingungen. Unglaublich, aber wahr. Und ich kam und komme immer wieder, weil das immer noch so ist. Wir dürfen in Dankbarkeit auf 50 Jahre Al-Anon in Deutschland zurückblicken und mit Freude feiern. Es konnte beginnen, weil sich damals Menschen auf den Weg gemacht haben und es heute immer noch tun. Nur deshalb war auch Hilfe da, als ich es so nötig brauchte. Heute möchte auch ich da sein, wenn jemand an unsere Tür klopft.

Ich werde nicht zu Grunde gehen

Abbildung einer Geburtstagszahl Ich bin seit 38 Jahren verheiratet, meine Frau ist seit ca. 28 Jahren alkoholkranke Spiegeltrinkerin. Unser beider Leben ist von unzähligen Trink- und Trockenphasen überschattet. Ein ewiges Auf und Ab. Die Kraft, mich von meiner lieben Frau zu trennen, war mir nie gegeben, und ich habe sie auch heute nicht. Vor vielen 24 Stunden, ich war körperlich und seelisch am Ende, bin ich das erste Mal zu einem Al-Anon-Meeting gegangen. Die Zeit war reif und ich endlich bereit, etwas für mich zu tun. Nach den schlimmen Erlebnissen im Zusammenleben mit meiner alkoholkranken Partnerin war mir klar, dass ich sie nicht zwingen konnte, mit dem Trinken aufzuhören – ich musste etwas für mich tun.
Ich wurde in der Gruppe so liebevoll aufgenommen, konnte endlich reden und wurde verstanden. Was mich jedoch am meisten beeindruckte, waren die Schilderungen der Meetingteilnehmer über ihr persönliches Schicksal. Den meisten ging es so viel schlechter als mir, aber sie konnten trotz allem lachen.
Lachen, das konnte ich schon lange nicht mehr. Als ich von meinem ersten Meeting nach Haus ging, spürte ich schon etwas von der Spiritualität des Programms. Mir ging es etwas besser.
Von dem Abend an ging ich regelmäßig einmal in der Woche in das Meeting. Die Al-Anon Gruppe wurde meine
Familie. Heute, seit vielen 24 Stunden in Al-Anon, geht es mir gut. Ich kann wieder lachen. Meine Frau muss
trotz vieler Klinikaufenthalte und Entgiftungen noch immer trinken. Ich habe kapituliert. Ich kann und will einen anderen Menschen nicht ändern, Nur ich kann mich ändern. Mit Hilfe der Zwölf Schritte arbeite ich an meiner Weiterentwicklung. Dank Al-Anon kann ich heute mit der Krankheit meiner Frau leben, ich werde an dieser schrecklichen Krankheit nicht zu Grunde gehen.
Ich gehe regelmäßig ins Meeting, um mit meinen Al-Anon Freunden Erfahrung, Kraft und Hoffnung zu teilen,
und vielleicht gelingt es mir, ein wenig Al-Anon Wissen an Neue in der Gruppe weiterzugeben. Ich werde nie vergessen, wie mir durch Al-Anon in meiner größten Not geholfen wurde. In großer Dankbarkeit, dass es Al-Anon gibt, liebe Grüße an alle Al-Anons
Klaus, ein Al-Anon

Das Gleichgewicht in uns selbst herstellen

Abbildung einer GeburtstagszahlWieder durfte ich mich heute in einer Alltagssituation erleben, in der ich dankbar für mein neues und gesünderes Verhalten war.
Ich hatte eine kurze Besorgung zu machen und wollte sie natürlich rasch erledigen. Beim Warten in der Schlange an der Kasse fiel mir noch eine Frage an die Verkäuferin ein und ich verließ die Reihe. Nachdem ich mein Anliegen schnell klären konnte, kam kurz ein altes Verhalten aus meinem alkoholkrankem Umfeld in mir hoch: Schließlich stand ich eben schon mal an und hatte das Recht, wieder nach vorne zu gehen. Mich am besten noch ein wenig vordrängeln. Das Ganze basierend auf einem alten Gefühl des „Zu kurz Kommens“ oder des schrägen „Es sei mein Recht“.
Relativ schnell konnte ich das alte Verhalten in mir erkennen und mich für den gelasseneren Weg entscheiden -respektvoll und wertschätzend mir und den Anderen gegenüber. Ich stellte mich wieder in die Reihe und fragte noch die Frau hinter dem Regal, ob sie noch vor mir dran sei, da ich mir nicht sicher war. Sie sagte ja und ließ mich dann mit meinen wenigen Artikeln sogar vor. In diesem Moment wurde noch eine Kasse geöffnet und die Kassiererin bat mich, doch zu ihr zukommen…ich war also super schnell aus dem Geschäft draußen, fühlte mich beglückt und friedlich und so dankbar für die Möglichkeit, heute anders handeln zu können.
Dank der Arbeit in unserem Programm, dem regelmäßigen Besuch der Meetings und der Arbeit mit meiner Sponsorin komme ich mir immer besser „auf die Schliche“, erkenne ungesundes Verhalten früher und erlebe, wie es funktionieren kann, das Gleichgewicht in mir selbst herzustellen. Damit werde ich unabhängiger von dem Verhalten anderer und brauche sie nicht mehr zu „benutzen“, um meine Gefühle zu regulieren. Auch bin ich viel weniger einsam, ich habe eine wunderbare Gemeinschaft.
Eine sich weiter entdeckende Al-Anon

Aufmerksamkeit für mich

Foto Geburtstagstorte mit Erdbeeren und KerzenWie schmerzhaft ist es, das Leiden geliebter und Nahestehender in der „ersten Reihe“ zu erleben und zuschauen zu müssen? Es zerreißt mir das Herz.
Mein Bruder hatte vor Kurzem einen nicht gerade leichten Eingriff, aufgrund seiner Krankheit und der Lebensweise mit Alkohol und schickt Bilder von seinen ersten Ausflügen nach dem Krankenhausaufenthalt, aus Gaststätten, mit den dementsprechenden Getränken – und ich sehe zu … – und ich kann es nicht ändern, weil ich Alkohol gegenüber machtlos bin und an diesen Ersten Schritt muss ich mich immer und immer wieder erinnern.
Ich bin nicht nur Alkohol gegenüber machtlos, sondern auch vielen anderen Dingen, z.B. wenn Leute andere psychische und physische Krankheiten, Begleiterscheinungen des Alters, berufliche Probleme haben. Ich darf mich da überall raushalten, was ich einerseits als total entlastend empfinde, was mich andererseits total traurig werden lässt, dem Leid tatenlos zuzusehen.
Die Einzige, die ich dringend aufpäppeln muss, pflegen, über Wasser halten, lieben, umsorgen, aufheitern, „betüddeln“, zum Arzt begleiten, ihre Angelegenheiten regeln, ist meine beste Freundin, bin ich !
Ich leide an den Auswirkungen der Familienkrankheit und ich habe es dringend nötig, jeden Augenblick: Wachsamkeit und Aufmerksamkeit mir gegenüber.
Dies ist mir in Al-Anon zur täglichen Übung geworden und ich bin voll ausgelastet und beschäftigt damit, dass ich für die Probleme anderer eigentlich gar keine Zeit habe. Den ganzen Tag über frage ich mich: Bin ich müde, bin ich hungrig, bin ich traurig, habe ich meine Gedanken und Finger woanders und nicht bei mir, was in unserer Literatur könnte mir im Moment helfen, was kann ich noch tun, um mich abzugrenzen, pflege ich mich gut, mache ich auch etwas Abbildung einer Geburtstagszahlfür mich, was mir Freude macht, mache ich Pausen, was baut mich jetzt auf, auf was habe ich Bock?
Wenn ich wie besessen meine, anderen helfen zu müssen, dann vor allem, weil ich die Trauer und den Schmerz bei mir nicht aushalten kann und versuche zu lindern. Ich bin bei Al-Anon, weil Angehörige, wie es irgendwo in unserem Tagesspruchbuch steht, ganz viel Liebe brauchen. Das Meeting begleitet mich in meiner Trauer, der Annahme der Realität der Krankheit und der Bewältigung meines Alltags.
eine Al-Anon

Auf eigenen Beinen stehen

Heute las ich bei meiner Morgenmeditation in unserem Buch „Entdecke Deine Möglichkeiten“ den Satz: Wir waren eine Krankheit mit vier Beinen. Das war eine Beschreibung der Familienkrankheit, die ich so noch nie gesehen hatte. Klar, ich war immer das Stützrad für meinen trinkenden Mann. Alle alltäglichen Aufgaben wurden langsam zu meinen. Ich ging zwar nicht für ihn zur Arbeit, aber ich sorgte dafür, dass er auch wirklich das Haus verließ. Anstrengende oder herausfordernde Auseinandersetzungen mit Behörden, Vermietern oder sogar in der Familie nahm ich gerne auf mich, damit er ja nicht noch mehr Grund zum Trinken hatte. Was war aber die andere Seite? Irgendwann brauchte ich diese Aufgaben, damit ich nicht über mich nachdenken musste oder noch schlimmer, ich brauchte sie, damit ich sie ihm irgendwann vorhalten konnte. Die Familienkrankheit war komplett, seine Beine, die mich brauchten um zu stehen und meine Beine, die das Dilemma am Laufen hielt.
Ich hatte nie gelernt, wirklich auf die Standfestigkeit meiner Beine zu vertrauen. Meine Mutter bestimmte, wer zu meinen engen Schulfreunden gehören dürfte. Sie wusste, welcher Freund der richtige Mann für mich war. Sie kannte mein Innerstes so gut, dass sie entschied wo ich mich wohlfühlen würde und welcher Beruf zu mir passte. Das hatte vordergründig nichts mit der Alkoholkrankheit zu tun, aber der Mann in unserer Familie, mein Vater, war aufgewachsen mit Alkohol, Gewalt und sehr viel Unsicherheit im Leben. Er wollte für seine Familie immer nur das Beste. Auch bei meinen Eltern gab es schon die Krankheit mit vier Beinen. Mein Vater hatte die Beine der Beständigkeit und meine Mutter hielt die Familie in Bewegung.
Nachdem ich langsam im Al-Anon Programm lernen durfte, dass meine Beine tatsächlich tragfähige Entscheidungen verkraften konnten, machte ich mich auf den Weg der Genesung. Mit der Hilfe meiner Höheren Macht war es möglich, auch Fehlversuche nicht gleich als Scheitern zu bewerten. Weitermachen ist die Devise. Kleine Kinder stehen bei den Versuchen, endlich selber laufen zu können immer wieder auf. So lange ich die Werkzeuge von Al-Anon benutze, werden Steine auf meinem Weg zu Aussichtspunkten und nicht zu Stolperfallen.
eine Al-Anon in Bewegung

Meine Gottbox

Foto einer PorzelanschmuckschatulleManchmal, wenn die Geister der Vergangenheit und Gegenwart meinen Kopf bevölkern, helfen weder ein Al-Anon Spruch noch ein Gebet. Das Lesen in unserer Literatur fällt mir schwer und wen kann ich schon mitten in der Nacht anrufen? Ich habe ein wunderbares Mittel um mich von den überflüssigen und fruchtlosen Grübeleien zu befreien. Meine Gottbox.
Wie oft bin ich schon nachts aufgestanden und habe alkoholkrankes Zerdenken und ansteckende Aktionen anderer Menschen auf einen Zettel geschrieben und sie in mein Kistchen getan. Aus dem Kopf und aus dem Sinn, mit dem Ergebnis, dass ich wieder schlafen kann. Ich habe Ereignisse, die mein Herz zum Rasen gebracht haben, in Worte gefasst und sie der Box anvertraut. Manche Angstblase oder Streitpunkte landen auf dem Papier und gehen in die Zettelsammlung. Alles bringt mir auf wundersame Weise Erleichterung. Neulich musste ich mein Kästchen ausräumen, da ich es jemandem zeigen wollte. Nicht als Gottbox, nein, als das Verlobungsgeschenk meiner Eltern, das schon bald 80 Jahre alt ist und das keiner bei der Verteilung des Erbes haben wollte. Als ich die Zettel las, wunderte ich mich über manche Vermerke. Was war denn da gewesen? Warum habe ich mich über diese Person aufgeregt? Wieso hat mir der Blick auf dieses Ereignis solche Angst gemacht? Und vor allen Dingen, wieso hat mir diese Aktion den Schlaf geraubt? Offenbar hat meine Höhere Macht irgendetwas mit den aufgeschriebenen Gefühlen und Gedanken in dieser Box angestellt, sie wirklich von mir genommen, da sie mich nicht mehr beschäftigen. Wie es funktioniert, weiß ich nicht. Für mich ist nur wichtig, dass ich für dieses „Stehrumsel“ eine Verwendung gefunden habe. Es hilft mir, wenn sich alte Dämonen aus dem Leben mit der Alkoholkrankheit bei mir melden, diese in ein sicheres Gefängnis zu sperren.
Danke von einer Al-Anon 

Warum es sich für mich lohnt eine Al-Anon Gruppe zu besuchen

Abbildung einer GeburtstagszahlIch sage es ganz ehrlich, es gibt immer wieder Zeiten, in denen ich mich frage, warum ich überhaupt noch eine Al-Anon Gruppe besuche. Die meiste Zeit gehe ich in die Gruppe, weil ich es eben einfach schon so lange tue und weil ich weitergeben möchte, was ich geschenkt bekommen habe. Und weil mich die Frage trägt: „Was soll aus den Gruppen werden, wenn jeder einfach wegbleibt, sobald es ihm etwas bessergeht; wer soll den Hilfesuchenden dann von seiner Erfahrung berichten?“ All das hat mit meiner Grundhaltung zu tun.
Aber dann gibt es eben immer wieder auch diese unglaublich berührenden Momente. Momente, in denen mich eine Aussage bis ins Mark trifft, die in mir etwas anspricht, aufdeckt oder einfach erinnert. Dies sind Momente in denen ich mir selber wieder ein Stück näher komme, mich selber mehr begreife und mit mir in Verbindung komme. Oder ich erlebe, wie Freunde frei werden von Zwängen, sich selber näherkommen, sich immer besser kennenlernen, neue Dinge ausprobieren, für sich selber sorgen – sich eben einfach ent-wickeln. Das sind wirklich erfüllende Momente.
Darum lohnt es sich für mich auch nach vielen Jahren noch eine Al-Anon Gruppe zu besuchen.
Susanne