Zurüruck zum Inhalt

Anstatt zu Jammern

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)Heute habe ich Gelegenheit, zu meinem eigenen Wohlbefinden beizutragen. Ich kann etwas tun, um eine Freundschaft zu festigen, ein Ziel zu verfolgen oder mich einfach nur wohler mit mir selbst zu fühlen. Ich erwarte nicht, mein Leben auf dramatische Weise zu verändern. Mein Ziel ist es einfach nur, eine positivere Richtung einzuschlagen, wohl wissend, dass große Reisen oft mit sehr kleinen Schritten beginnen.

Vielleicht werde ich jemanden fragen, ob er/sie mein/e Sponsor/in sein könnte, mich einem Neuen in Al-Anon zuwenden, oder ein anderes Meeting besuchen. Vielleicht treibe ich auch etwas Sport, vereinbare einen Arzttermin für eine Routinekontrolle, höre Musik, oder räume einen Schrank auf. Ich könnte einen seit langem aufgeschobenen Brief an einen Freund schreiben, oder ein bisschen Zeit allein verbringen und ein paar Minuten der Ruhe und des Friedens genießen. Vielleicht tue ich auch etwas, wovor ich mich immer gefürchtet habe – nur so, zur Übung. Ich könnte auch die Einkäufe für eine kranke Freundin erledigen, einen wackeligen Tisch reparieren, ein anregendes Buch lesen. Vielleicht denke ich auch über einen der Zwölf Schritte nach oder teile meine Erfahrung, Kraft und Hoffnung mit jemandem, der daran teilhaben möchte.

Überlegung für Heute
Es gibt so viele Möglichkeiten, wie ich die Qualität meines Lebens verbessern kann. Anstatt darüber zu jammern, was ich nicht tun oder haben kann, tue ich heute etwas, um in meinem Leben etwas Positives zu schaffen.

„Den goldenen Moment der Möglichkeit auszubauen und das Gute in unserer Reichweite einzufangen, das ist wahre Lebenskunst.“

Samuel Johnson

Quelle: Mut zur Veränderung – 07. Februar – Seite 38

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)

Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
Emilienstraße 4 – D – 45128 Essen
Tel. : 0201 / 77 30 07 – www.al-anon.de

Feste feiern, wie sie fallen

Gespräche in der Familie oder mit Freunden lassen mich heute oft über die traditionellen Gewohnheiten und meinen Umgang damit nachdenken. Ist das von früher noch passend? Habe ich heute einen besseren Umgang mit diesem „das macht man halt so“? Zum Beispiel Weihnachten: Als Kind war es immer ein Fest für Gemeinsamkeiten, für Besuche von der Familie, für Besinnung und Freude. Schön, wenn es das ganze Jahr so gewesen wäre, aber es war halt nur zur Weihnacht.
Weihnachten in der alkoholkranken Partnerschaft war anfangs noch recht gesellig. Mit Freunden, die auch fern von der Familie den Sinn der Weihnacht neu erfinden wollten. Gemeinsamkeiten beim Essen und viel Trinken und feiern bis zum teilweise chaotischen Ende.
Das Fest der Liebe als junge Familie sollte dann endlich wieder so sein, wie ich es aus meiner Kindheit in Erinnerung hatte. Die Fotos zeigen mir heute, das es nicht so war. Trauer in den Augen der gesamten Familie, lachender Mund für die Fassade. Immer wieder die Hoffnung auf ein besseres nächstes Jahr.
Der Versuch, auszubrechen und endlich dem Ganzen ein Ende zu machen, war ein Weihnachtsfest mit meiner Schwester und unseren Kindern. Wir vier allein in ihrem Ferienhaus weg von der Familie, weg von den Partnern, weg von den Problemen. Wir hatten eine gesegnete Weihnacht. Ich ging wieder zurück und wartete weiter auf das Weihnachtswunder. Meine Höhere Macht fand für mich die Lösung, nachdem ich nicht mehr konnte. Ich fand zu Al-Anon.

…weiterlesen …

Was passiert mit mir, wenn ich andere Menschen ändern will ?

Foto von SonnenuntergangWie habe ich versucht, andere Menschen in meinem Leben zu ändern? Was waren die Folgen?
Ich habe viele Jahre versucht, meinen Mann, den noch trinkenden Alkoholiker, zu ändern. Es blieb bei meinen Versuchen. Er änderte sich nicht. Ich hatte mich auf ihn konzentriert und ich schaute mit keinem Blick auf mich . Es war genau so, wie oft in Al-Anon gesagt wird – der Alkoholiker dreht sich um die Flasche und Angehörige drehen sich um den Alkoholiker. – Ich war wie fremdbestimmt.
Seltsamerweise hielt mich dieses Verhalten nicht davon ab, dass ich meine Kinder trotzdem gut versorgte, mich auch um ihr seelisches Wohl kümmerte. (Dank meiner Höheren Macht, sage ich heute). Wie ich damals diesen Spagat mit Haushalt, vier Kindern, voller Berufstätigkeit und den ständigen Herausforderungen, die es durch den Alkoholismus gab, schaffte, das verstehe ich heute nicht mehr. Ich hatte dieses Desaster mit dem Alkoholiker schicksalhaft angenommen, fügte mich sozusagen, versuchte alles Mögliche, meinen Mann mit ruhigen Worten und Ratschlägen zu beeinflussen.
Die Folgen waren schlimm. Mein Körper zeigte dann aber entsprechende Reaktionen: Er rebellierte, Asthma-Anfälle waren an der Tagesordnung.

Heute fühle ich mich besser als je zuvor. Al-Anon und mein Beziehungssystem ringsum wirken. Ich sorge gut für mich, vernachlässige keinesfalls die Gruppen und nutze gern die Al-Anon Literatur. Dass mein Diensttun in den Al-Anon Gruppen auch mit bei meiner Genesung half, ist unbestritten.
Nicht vergessen möchte ich in diesem Kontext, dass mein Mann in A.A. verankert ist, genau so lange wie ich in Al-Anon. Das führte dazu, dass wir heute friedlich und wohlig miteinander leben.
Ich bin überaus dankbar für Al-Anon und für meine Verbindung zu meiner Höheren Macht

Sabine P.

 

Einen Tag nach dem anderen

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)Leben mit Alkoholismus lehrte mich, dass Pläne jederzeit umgeworfen werden konnten, ebenso wie Spielregeln. Ich entwickelte ein tiefes Misstrauen gegenüber allem und jedem, weil ich mich auf nichts verlassen konnte.

Als Folge davon ergriff ich oft jedwede Gelegenheit beim Schopf, ohne groß darüber nachzudenken. Hinter meinen Handlungen steckte oft Verzweiflung: „Ich greife besser jetzt zu – vielleicht ist es die einzige Chance.“ Al-Anon lehrte mich eine andere Betrachtungsweise: Ich kann „einen Tag nach dem anderen“ leben. Ich kann meine Entscheidungen danach treffen, was heute für mich richtig ist, und nicht danach, was ich fürchte, in der Zukunft vielleicht zu verlieren. Ich kann „denken“, bevor ich auf meine Ängste reagiere und mich an „Eile mit Weile“ erinnern.

Wenn ich mich nicht in der Lage fühle, heute etwas zu tun, vertraue ich darauf, dass es noch eine andere Gelegenheit geben wird, wenn es etwas ist, das ich wirklich tun soll. Es muss nicht jetzt oder nie sein, alles oder nichts.

Überlegung für Heute
Heute muss ich mich nicht von meinen alten Ängsten einengen lassen. Stattdessen kann ich tun, was richtig erscheint. Ich muss nicht jedem Vorschlag folgen, oder jedes Angebot annehmen, das mir gemacht wird. Ich kann meine Möglichkeiten abschätzen und um Führung bitten, damit ich das wähle, was für mich am besten ist.

„Es gibt eine Führung für jeden von uns, und wenn wir demütig zuhören, werden wir das richtige Wort hören… Stelle dich mitten in den Strom von Kraft und Weisheit, der durch dein Leben fließt. Dann bist du ohne Anstrengung auf dem Weg zu Wahrheit und vollkommener Zufriedenheit.“

Ralph Waldo Emerson

Quelle: Mut zur Veränderung – 30. Januar – Seite 30

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)

Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
Emilienstraße 4 – D – 45128 Essen
Tel. : 0201 / 77 30 07 – www.al-anon.de

Al-Anon funktioniert – ganz ohne Zauberei

Foto einer WandmalereiAls ich zu Al-Anon kam, dachte ich, ich würde die Welt des Zauberes von Oz betreten. Sollten hier meine Hoffnungen wahr werden? Das war es doch, wofür ich betete und worauf ich hoffte. All meine Wünsche sollten endlich erfüllt werden. Mein größter Wunsch war, wieder glücklich zu werden. In unserem Zuhause war gerade Nüchternheit eingekehrt, aber es fehlte so vieles.

In meiner Anfangszeit in Al-Anon lernte ich Folgendes:
– niemand kann „machen“, dass ich mich unterlegen fühle, außer, ich erlaube es ihm;
– wenn jemand sagt „so ist es“, dann bedeutet es noch lange nicht, dass es auch so ist;
– die einzigen Hürden, die ich überspringen muss, sind meine eigenen, und vor allem sollte ich lernen, mehr an die Liebe meiner Höheren Macht zu glauben, als an meine Schwächen.
Langsam lernte ich all das und ich arbeitete mit den Schritten, Slogans und Traditionen. Ich fand damit mein wunderbares Lebensprogramm.
Ein weiterer Wunsch wurde mir erfüllt: Freundschaften zu finden, in denen die Herkunft, die Art der Kleidung, oder der Beruf keine Rolle spielen. Ich fand liebevolle Annahme, oft ohne Worte…manchmal ist es ein Lächeln, ein Nicken, eine Umarmung oder eine mit geweinte Träne. Diese Menschen kennen und verstehen mich besser, als es die meisten anderen tun.
Wir öffnen unser Innerstes und erhalten Liebe und Verständnis.
Louise R., Manitoba

„Reprinted with permission of The Forum, January2014, page1, Al-Anon Family Group Hdqts., Inc., Virginia Beach, VA”

Frei übersetzt von einer Al-Anon, Deutschland

Aus Schweigen wird Selbstliebe: Wie ich in Al-Anon zu mir finde

Foto von einem GlückskleeIch ging durchs Leben – mit vielen Problemen, die ich gut vor mir und anderen versteckte und leugnete. Schon immer funktionierte ich gut. Abi bestanden, Studium absolviert, Arbeit gefunden. Aber so problemlos waren die Dinge in Wirklichkeit nicht.
Ich glaubte immer, alles mit mir selbst ausmachen zu müssen, meine Geheimnisse bloß nicht verraten zu dürfen, denn dann hätte ich keine Kontrolle mehr über mein Leben. Ich entwickelte unglaublich viel Härte gegen mich selbst. Damit kam ich durchs Leben. Meine Überlebensstrategie. Aber ich wechselte häufig meine Arbeitsplätze. Oft fand ich kein richtiges Maß zwischen Selbstbehauptung und Anpassung. Überarbeitete mich völlig, kuschte, schleimte. In vielen Fällen verließ ich dann verbittert und im Streit das Unternehmen.
Mein langjähriger Partner war ein Choleriker und stark von Stimmungsschwankungen geprägt. Ich litt still und richtete mich in meiner Opferrolle ein. Als Kind und Jugendlicher war ich sehr übergewichtig. Das bin ich nicht mehr, aber Essen und das Kontrollieren meines Essverhaltens blieben Thema. Auch hier Härte und Selbsthass, damit ich mich gut “im Griff” hatte. Nach außen oft gut gelaunt, angepasst. Mitunter aber auch extrem zynisch und abwertend. So hart wie ich über mich selbst urteilte, urteilte ich auch über andere. Mit engen Freunden führte ich gerne pseudo-intellektuelle Diskussionen über die Tiefen und Traurigkeiten des Lebens, und stempelte Menschen, die positiver ans Leben heran gingen, als naiv und dumm ab.

Vor zwei Jahren kam es für mich zu einer Wende. In meiner Familie rumorte es gewaltig: Mein Bruder trank und das hatte dramatische Folgen. Täglich kam es zu neuen Katastrophen. Ich begann mich, nach einem für mich sehr entscheidenden Ereignis, mehr mit mir zu beschäftigen. Ich trennte mich von meinem Partner. Kündigte meine Stelle, die mir nicht guttat. Vieles veränderte sich.
Vor einem Jahr unterhielt ich mich nach Jahren erstmals wieder mit meinem alkoholkranken Bruder, was ich mir niemals hätte vorstellen können. Er war trocken geworden. Unser Gespräch brachte alles auf den Tisch, was in unserer Familie vertuscht und verschwiegen wurde. Erstmals hatte meine Tante ganz offen mit ihm gesprochen. Nun wurde mir alles klar, die vielen Puzzleteilchen, die ich nicht zusammenbringen konnte, nicht zusammenbringen wollte, sie ergaben plötzlich Sinn.
Die Bilanz war verheerend: Eine alkoholkranke Mutter, an den Spätfolgen ihres Trinkens vor vielen Jahren zu früh verstorben. Ein alkoholkranker Vater, gut funktionierender Spiegeltrinker. Ein alkoholkranker Bruder, der durch sein Trinken mehrere schwere Unfälle sowie Selbstmordversuche hinter sich hatte und der seine Firma mitsamt unseres Familienvermögens vor die Wand gefahren hat. Ein anderer Bruder, der als Kind schwere Verletzungen erlitt, weil meine betrunkene Mutter ihn nicht beaufsichtigt hatte, und der noch heute davon gezeichnet ist. Eine Familie, in der sich alles um das Trinken drehte, aber niemand darüber sprach. Eine durch und durch alkoholkranke Familie. Die Auswirkungen trafen mich mit voller Wucht. Sie trafen mich schon immer mit voller Wucht, aber erstmals erkannte ich das.

Ich ging wenige Wochen später eine neue Beziehung ein. Ich war noch ganz aufgewühlt, von dem was ich von meinem Bruder erfahren hatte. Und nun: Das Trinken meines neuen Partners irritierte mich. Ich fing an ihn zu analysieren und zu kontrollieren. Ich drehte völlig durch und dachte nur: “Was soll dieser ganze Wahnsinn?! Ich bin nur noch von Alkis umgeben! Jetzt auch noch mein Partner!”. In diesem Moment rief ich eine gute Freundin meiner Eltern an. Eine der wenigen, die den Alkoholismus in unserer Familie nicht verschwiegen hatte. Sie sagte mir “Du analysiert Deinen neuen Partner wie Deine alkoholkranke Mutter. Geh zu Al-Anon. Das ist das, was Du brauchst. Such Dir ein Meeting raus und geh hin.” Sie selbst kam vor vielen Jahrzehnten wegen des Trinkens ihres Partners zu Al-Anon. Sie hatte mir und meinen Geschwistern schon einmal Al-Anon empfohlen, direkt nach dem Tod meiner Mutter. Aber: Damals war ich nicht bereit dafür. So wie der Trinkende nicht erkennen will, dass er alkoholabängig ist, so konnte ich nicht erkennen, wie der Alkohol mein Leben beeinflusst hatte. Ich war so dankbar für dieses Gespräch und war zwei Tage später bei meinem ersten Meeting.

…weiterlesen …

Al-Anon hat etwas für mich

Abbildung einer GeburtstagszahlIch wusste schon seit knapp einem Jahr von diesem Blog und fühlte mich nie so richtig berufen, einen Artikel zu verfassen…eigentlich wollte ich das erst, wenn ich mit meiner Genesung „fertig“ bin. Als ich das im Meeting erwähnte, schallte lautes Gelächter durch den Raum, und ich lachte genauso darüber. Natürlich ist das absurd. Niemand wacht eines morgens auf und denkt „Halleluja, endlich bin ich gesund!“
Aber in Wahrheit trifft das doch zu. Irgendwann merkt man, dass alles nicht mehr so ist wie früher. Ich wache zum Beispiel jetzt morgens auf und freue mich auf den neuen Tag. Obwohl es draussen noch dunkel ist, ich vielleicht erkältet bin und zum Zahnarzt muss. Dann danke ich Gott, dass ich gut schlafen konnte (als Mutter zweier Kinder freut man sich doch über jede gute Stunde Schlaf) und dass ich diesen Tag wieder neu erleben darf und mit Sicherheit fällt mir noch etwas ein, auf dass ich mich freuen kann. Ich denke jetzt NIE mehr, wie schrecklich, trostlos und hoffnungslos alles ist, und dass ich nicht mehr weiter weiss. Mein Leben fühlt sich leicht und frei an und ich fühle mich sicher.
Ich bin aufgewachsen in alkoholkranker Familie. Mein Vater ist kein Alkoholiker. Wie kann das zusammenpassen? Warum wirkt Al-Anon dann doch so gut für mich?
Mein Vater ist kein Alkoholiker – das behauptet meine Mutter. Er trinkt gerne, und manchmal zu viel. Sie hat ihn immer verteidigt und auch vor uns Kindern in Schutz genommen und alles verharmlost: Er verträgt es nicht! Er meint es nicht so! Es tut ihm leid!
Wie konnte sich meine Wahrnehmung so dermaßen von der meiner Mutter unterscheiden? Wie konnte sie das alles „nicht so schlimm“ finden? Bei meinem ersten Al-Anon Meeting bekam ich eine Broschüre in die Hand, „Das Karussell des Leugnens“, und mir wurde alles klar. Meine Mutter war die Königin des Leugnens und ich lebte in ihrem Karussell. Dank Al-Anon schaffte ich es ziemlich schnell, davon abzuspringen.
…weiterlesen …

Warum gehe ich auch nach vielen Jahren Al-Anon noch ins Meeting?

Abbildung einer GeburtstagszahlDas werde ich manchmal von Freunden und Bekannten ( die nicht zu Al-Anon gehen) gefragt.
Als ich vor einigen Jahren zu Al-Anon kam, war ich am Ende: nach 26 Jahren Ehe mit einem Mann, dessen Trinken sich in all den Jahren kontinuierlich gesteigert hatte. Ich hatte viele Jahre versucht, ihn vom Trinken wegzubekommen, als er sich aber immer mehr von allen absonderte und nur seine Flasche im Blick hatte, mußte ich kapitulieren. Ich war mit meiner Kraft und meinem Lebensmut am Ende.
Durch einen Beitrag im Fernsehen wurde ich auf Al-Anon Aufmerksam, was dort erzählt wurde war, als wäre es aus meinem Leben. Ich wurde ermutigt ein Meeting zu besuchen und es auszuprobieren. Ich fand die Atmosphäre sehr freundlich und ruhig. Die Frauen die dort teilten, sahen alle so zuversichtlich aus und machten einen gelassenen Eindruck… ich wurde ermutigt wieder zu kommen und ich beschloss, 3x hinzugehen.

…weiterlesen …

Das bin ich mir wert

Abbildung einer GeburtstagszahlWährend der Zeit mit dem aktiven Alkoholiker wussten die Ärzte häufig nichts mit meinem desolaten Gesundheitszustand anzufangen. Auf Nachfragen zu meiner Lebenssituation fand ich immer gute Ausreden für Erschöpfung, Schlaflosigkeit und Unruhe. Ich wollte nicht erzählen, was sich tatsächlich hinter meiner Fassade versteckte. Angst, eine riesige Angst. Wovor eigentlich? Versagt zu haben, weil der Alkoholiker in meinem Leben trotz Versprechungen nicht aufhörte zu trinken. Entdeckt zu werden, dass die geschminkten Augen meine verheulten Augen überdecken sollten. Beim Lügen erwischt zu werden, weil ich das Geld für die Geburtstagssammlung nicht daheim vergessen hatte, sondern so kurz vor dem Monatsende, gar kein Geld mehr zur Verfügung stand und so weiter.
Meine damalige Hausärztin wusste von meinem trinkenden Ehemann, denn er war auch ihr Patient. Sie tat ihr bestes und verschrieb mir letztendlich Beruhigungsmittel, Herzmedikamente und Stimmungsaufheller. Wie sollte sie auch hinter die Ursachen kommen, wenn ich sie ihr nicht erzählte. Gefüllt mit Scham und Schuld hatte ich alles weggepackt, was irgendwie die Realität verraten konnte. Ein Umdenken oder die Einsicht, dass ich etwas anders machen müsse, kam mir bei einem Krankenhausaufenthalt in der Neurologie, wo ich zur Abklärung unklarer Symptome behandelt wurde. Mit mir im Zimmer war eine Frau, die offen von ihrem Mann erzählte, der ständig trank und sie im Laufe der Jahre unter immer neuen Zwängen litt, die sie zwischen Neurologie und …weiterlesen …

Meine trinkende Tochter

Abbildung einer GeburtstagszahlIch muss meiner trinkenden Tochter keine Vorwürfe mehr machen
Als ich vor einem Jahr zu Al-Anon kam, war ich so verzweifelt, dass ich hoffte, hier endlich die Lösung für mein Problem zu finden. Meine Tochter ist seit vielen Jahren Alkoholikerin und hat auch schon einmal eine viermonatige Entziehungskur gemacht, die leider ohne Erfolg blieb. Sie wurde gleich danach wieder rückfällig. Diesen Entzug hat sie nur auf Grund meines Drängens, ja sogar massiver Drohung gemacht.
Bei Al-Anon habe ich gelernt, dass man machtlos gegen den Alkohol ist und nur der Alkoholiker selbst die Entscheidung trifft, ob er mit dem Trinken aufhört.
Bei Al-Anon habe ich natürlich nicht das Rezept für das Trockenwerden meiner Tochter bekommen, aber eindringlich vermittelt bekommen, dass nur ein Loslassen meine Verzweiflung mildern, bzw. schrittweise aufhellen kann. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich einmal meiner trinkenden Tochter anders als mit Vorwürfen und Drohungen entgegentreten könnte. Dank Al-Anon ist es möglich geworden. Natürlich bin ich noch oft verzweifelt und mutlos, denn meine Tochter trinkt immer noch. Aber es kommt nicht mehr zu solch schlimmen Abstürzen und somit zu diesem aggressiven Verhalten. Sie geht seit einigen Monaten zum Blauen Kreuz und das wirkt sich sehr positiv aus.
Meine Teilnahme an den Al-Anon Meetings sieht sie sehr positiv und wahrscheinlich auch meine veränderte Einstellung zur ihrer Krankheit. Sie will ja mit dem Trinken aufhören – hat es aber leider bis heute noch nicht geschafft. Meine Hoffnung ist, dass sie es doch noch schafft. Meine zwei Enkelkinder sind natürlich durch das Trinken der Mutter geprägt, und das ist irreparabel. Auch damit muss ich leben, denn wir lernen in Al-Anon im Heute zu leben, was mir noch oft schwerfällt. Oft denke ich an das Vergangene und habe Angst vor der Zukunft. In den Meetings erfahre ich, wie andere mit dem Problem fertig werden, und das ist tröstlich und nachahmenswert. Es ist ein Segen, dass es diese Selbsthilfegruppen gibt, sowohl für die Alkoholiker als auch für die Angehörigen.

Elsbeth, eine Al-Anon