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Alkoholismus, Al-Anon hilft Angehörigen

Alkoholismus, eine Krankheit von Geist, Seele und Körper

Angeregt durch unsere Literatur, dachte ich heute über meinen Geisteszustand während der Zeit mit dem nassen Alkoholiker nach. War ich wirklich auch geistig krank? Ja, das war ich und kann es heute auch ganz klar sehen.

Beispiele fielen mir wieder ein. Ich konnte nicht lesen, nicht fernsehen, nicht mal die Wäsche bügeln, war bei der Arbeit in Gedanken bei meinem Mann und in Sorge, dass er bloß nicht betrunken anruft. Ich konnte daheim manchmal nur noch wie besessen am Fenster stehen und auf meinen Ehemann warten. Wann kommt er endlich von der Arbeit? Eigentlich war doch schon vor zwei Stunden Schichtende. Steht er wieder am Büdchen? Trifft er sich mit seinem Freund und Kollegen auf einen Absacker? Ich war so sehr von der Alkoholkrankheit beeinflusst, dass ich jeden gesunden Menschenverstand, die Vernunft verloren hatte. Ein Ereignis ist mir in bildhafter Erinnerung geblieben. Ich stand mal wieder wie gebannt am Fenster und mein kleiner Sohn rief nach mir. Ich konnte mich nicht lösen, war wie festgeklebt auf meinem Aussichtsplatz und antwortete immer wieder: „Ich bin gleich bei dir“. Das ging so lange, bis er bitterlich zu weinen anfing. „Mama, ich will dir doch nur Gute Nacht sagen!“. In dem Moment war es wie ein Aufwachen aus einer Starre. Im Innen und Außen war ich nicht in der Lage gewesen zu agieren. Ich konnte mein Leben nicht mehr meistern.

Machtlosigkeit und Klarheit

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)Eines schönen Tages saß ein Mann unter einem Baum. Ihm fiel gar nicht auf, dass dieser voller Tauben war. Bald taten die Tauben, was Tauben am besten können. Der Mann schimpfte auf sie, als er davon stürmte. Er ärgerte sich über die Tauben wie über ihren Dreck, aber dann erkannte er, dass die Tauben nur taten, was Tauben tun, weil sie eben Tauben sind, und nicht, weil  er gerade dort war. Der Mann lernte daraus, Bäume auf Tauben zu untersuchen, bevor er sich hinsetzte.

Alkoholiker sind Menschen, die trinken. Sie trinken nicht deinet- oder meinetwegen, sondern weil sie Alkoholiker sind. Was ich auch tue, ich werde daran nichts ändern, nicht, indem ich Schuld zuweise, schreie, bettele, ablenke, Geld, Flaschen oder Schlüssel verstecke, lüge, drohe oder argumentiere. Ich habe den Alkoholismus nicht verursacht. Ich kann ihn nicht kontrollieren. Und ich kann ihn nicht heilen. Ich kann immer weiter kämpfen und weiter verlieren. Oder ich kann zugeben, dass ich Alkohol und Alkoholismus gegenüber machtlos bin.

Ich kann zulassen, dass Al-Anon mir hilft, indem ich die Energie, die ich darauf verwendet habe, diese Krankheit zu bekämpfen, wieder darauf richte, von ihren Auswirkungen zu genesen.

Überlegung für Heute
Es ist nicht leicht zuzusehen, wie jemand, den ich liebe, immer weiter trinkt, aber ich kann nichts tun, um ihn oder sie davon abzuhalten. Wenn ich mir ansehe, wie unkontrollierbar mein Leben geworden ist, kann ich zugeben, dass ich dieser Krankheit gegenüber machtlos bin. Dann kann ich wirklich anfangen, mein Leben besser zu gestalten.

„Es ist logisch, dass eine Veränderung in uns eine Kraft zum Guten ist, die der ganzen Familie helfen wird.“

 Broschüre 216: Wie kann ich meinen Kindern helfen?

Quelle: Mut zur Veränderung – 14. März – Seite 74

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)

Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
Emilienstraße 4 – D – 45128 Essen
Telefon: 0201 / 77 30 07 – www.al-anon.de

50 Jahre Al-Anon Gruppen in Deutschland

Vor 50 Jahren wurde Al-Anon in Deutschland gegründet. Die amerikanischen Soldaten brachten nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur die Ideen der Anonymen Alkoholiker nach Deutschland, sondern auch die Hilfe für Familien und Freunde von Alkoholikern.
In den USA wurde Al-Anon bereits im Jahr 1951 von Lois W., der Ehefrau eines Mitbegründers der Anonymen Alkoholiker gegründet. Das spirituelle Programm der Zwölf Schritte der A.A. wurde übernommen. Was einst mit kleinen Gruppen  von Angehörigen begann, wurde zu einer weltweiten, erfolgreichen Bewegung.
1967 trafen sich in Mülheim an der Ruhr die ersten Gruppenmitglieder. Ausgehend von dieser Gruppe ging das Hilfsangebot durch ganz Deutschland. 1972 gab es in allen Bundesländern Gruppen, sowie intensive Kontakte zur Schweiz, zu Österreich und zum Weltdienstbüro in den USA.
Die Al-Anon Familiengruppen wurden als gemeinnütziger Verein in das Vereinsregister Bremen eingetragen. In Deutschland gibt es heute ca. 550 Al-Anon Selbsthilfegruppen einschließlich der Gruppen „Al-Anon, aufgewachsen in alkoholkranker Familie“. Zusätzlich bietet Al-Anon drei virtuelle Gruppen/Online-Meetings an. Das Zentrale Dienstbüro der Al-Anon Familiengruppen befindet sich heute in der Emilienstrasse 4 in Essen.
Es wurde Literatur übersetzt, sodass aktuell eine breite Auswahl zur Verfügung steht. Eine Internetseite bietet Hilfesuchenden ausführliche Informationen über die „Familienkrankheit Alkoholismus“: http://www.al-anon.de
In unserem Blog schildern Betroffene ihre persönliche Erfahrungen, wie sie in Al-Anon Genesung finden konnten und sich ihre Lebensqualität erheblich verbessert hat.

Ehrlichkeit und Betroffenheit

Foto von einem AusstellungshinweisIn erster Linie und an erster Stelle will ich danke sagen, danke, dass ihr alle eure Erfahrung, Kraft und Hoffnung mit mir teilt.
Ich habe von Al-Anon durch einen Bericht in der Betriebszeitung meines damaligen Arbeitgebers erfahren. Gut zu wissen, dass nicht nur die Alkoholkrankheit, sondern auch die Not der Angehörigen Beachtung findet und nach Hilfen gesucht wird. Als ich das erste Mal den Mut hatte (nach wochenlangem Zögern), mit pochendem Herzen mein erstes Meeting zu besuchen, überraschte mich beim Betreten des Meeting-Raumes als allererstes diese fröhliche Atmosphäre der Freundinnen und Freunde untereinander Wie konnte es sein, dass diese Angehörigen so fröhlich und lachend beieinander saßen, wo sie doch wohl alle mit dem Problem des Alkoholismus konfrontiert waren?
Diese Heiterkeit hat mich neugierig gemacht. Wie ihr euch sicher denken könnt hatte auch ich bereits mehrere Jahre unter den Folgen der Alkoholkrankheit meines Partners sehr gelitten und allerhand Schlimmes erlebt. Es war eine meiner ersten Fragen, wie „man es denn schaffen kann, den Partner vom Trinken abzuhalten oder aber seine Trinkerei ganz zu verhindern?“ Wie so viele andere Freunde war auch ich der festen Überzeugung, den Worten meines Mannes glaubend, durch mein Verhalten seine Trinkerei ausgelöst zu haben. Also musste doch wohl auch die Verhinderung dieser scheußlichen „Angewohnheit“ durch mich möglich sein! Im Meeting durfte ich nun zum ersten Mal erfahren, dass mich keine Schuld trifft an seinem Trinkverhalten. Später wurde mir im Laufe der Zeit jedoch immer klarer, dass ich durch mein Verhalten sein Trinken begünstigt habe.

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Ich fand einen Weg zu mir selbst zurück

Foto: grünes Feld mit WegMein Name ist Ingo, ich bin Angehöriger.
Für mich gab es mehrere Gründe wiederzukommen. Der erste und wichtigste war, dass ich in meiner damaligen Situation einfach nichts mehr falsch machen konnte. Alles war richtiger, als so weiterzuleben wie bisher.
Auch, wenn mir das Vokabular der älteren Gruppenmitglieder anfangs fast unverständlich war, so habe ich doch verstanden, dass ich am Trinkverhalten meiner Partnerin unschuldig war.
Ich fand Trost in den Gruppen und einen Weg zu mir selbst zurück. In den Gruppen fand ich Menschen, die mich verstanden und ganz ähnliche Probleme hatten wie ich. Schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich geborgen, auch wenn ich mir mal den Spiegel vorhalten lassen musste, um meinen Weg wieder zu finden. Heute komme ich wieder, um nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen
und weil ich in Al-Anon meine Lebensphilosophie gefunden habe.

Ingo, Al-Anon

Meine Kinder haben nichts mitbekommen

Foto des Flyers Das diesjährige „Michel-Meeting“  am 25.03.2017 ist die Al-Anon Jubiläumsveranstaltung in Hamburg.
Der Fachvortrag von NACOA Berlin, der Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V. vertieft das Thema:“Wenn Eltern süchtig sind, leiden die Kinder“. Ebenfalls berichten Angehörige von Al-Anon und ein Mitglied von A.A. wie ihnen Selbsthilfegruppen bei der Verbesserung ihrer Lebensumstände geholfen haben. Außerdem wird es die Möglichkeit geben, an Meetings teilzunehmen.

Der Flyer zur Veranstaltung ist zu finden unter:
http://al-anon.de/veranstaltungen/michelmeeting/

Meine Kinder haben nichts mitbekommen …
Das ist es, was ich manchmal so höre, wenn über die Trinkzeit des Partners oder der Partnerin in Meetings oder auch landläufig gesprochen wird. Ich hätte mir gewünscht, dass dieser Satz stimmt …
Unsere Tochter hat ihren Vater nie trinkend erlebt, weil er die Woche über in einer anderen Stadt arbeitete und wohnte. Bevor ich zu Al-Anon kam, hätte ich nicht eingeräumt, dass sie trotzdem so viel mitbekommen und vor allem auch so viel abbekommen hat. Die Streits, Spannungen und Konflikte, die wegen der Auswirkungen des Trinkens offen und unterschwellig immer an der Tagesordnung waren, hat sie im Prinzip mit der Muttermilch eingesogen. Ich ahnte es und konnte es nicht abstellen, war in der ganzen belasteten Situation gefangen und ein einziges wandelndes Schuldgefühl. Unsere Tochter war, als sie klein war, ein sehr stilles, zurückhaltendes und folgsames Kind. Sie erkrankte schon mit zwei Jahren an einer heftigen psychosomatischen Hautkrankheit mit schmerzhaften Komplikationen und wir hatten über mehrere Jahre hinweg keine durchschlafene Nacht. Davon, dass es sich bei Alkoholismus um eine Familienkrankheit handelt, die alle Angehörigen psychisch und physisch in Mitleidenschaft zieht, hatte ich noch nichts gehört.

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Mit meiner Geduld ist das halt so eine Sache

Foto, Ranken wachsen am Fahrrad und einer LaterneMein Name ist Eva und ich bin Angehörige, mein Weg zu Al-Anon war lang und beschwerlich und ging durch eine schreckliche Nass-Phase meines Mannes, während dessen ich auch leider fünf Schwangerschaftsabgänge hatte. Um damit fertig zu werden, hatte ich mich in eine Therapie begeben, die aber nicht besonders erfolgreich war.

Innerhalb der Therapie habe ich mich oft über das Trinkverhalten meines Mannes beklagt, aber ich wurde nur mit unwirksamen Ratschlägen abgespeist und dass ich das alles viel zu eng sehen würde. Später habe ich meinen Mann die Pistole auf die Brust gesetzt und er hat dann auch mir zuliebe eine Therapie angefangen, in der er am Anfang noch weiter getrunken hat. Erst als er seinen Führerschein abgeben musste, wurde er auf einen Schlag trocken.

Ich dachte, jetzt fängt die Zeit des Glücks an, aber dem war leider ganz und gar nicht so. Durch seine Trockenheit und seine Therapie konnte sich zwar mein Mann verändern, doch ich war schon so weit in die Familienkrankheit hinein gerutscht, dass es für mich erst recht bergab ging. Um meine innere Leere aufzufüllen, habe ich mich total in die Arbeit gestürzt, denn ich fand es zu Hause noch unerträglicher als zuvor.

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So hat Al-Anon bei mir gewirkt

Foto Äste mit SchneeIch war verzweifelt – ich konnte meinen Alltag nicht mehr bewältigen. Ich nahm jeden Strohhalm, ich wusste ein Arzt konnte mir nicht helfen. Da war jemand von A.A., der sagte zu mir – ich kann dir auch nicht helfen – aber Al-Anon kann es. Mein Strohhalm.
Ganz alleine ging ich in mein erstes Meeting. An der Tür wurde ich empfangen – schön, dass du da bist – sagte eine Al-Anon – ich freue mich über deinen Besuch, komm rein und hör einfach einmal zu, vielleicht hilft dir das. Probiere es einmal aus. Ich ging in den Meetingraum, Kerzen brannten und mich empfing ein wohliges Gefühl, gemütlich und aufgehoben. Ich hörte so viele ähnliche Geschichten von anderen Frauen, dass ich überwältigt war, weinen musste und den Meetingraum verließ. Mir folgte eine Al-Anon und fragte mich ob ich reden möchte. Mich fragt jemand, ob ich reden möchte – das war ich aus den Jahren zuvor überhaupt nicht mehr gewohnt. Weine nur, bestärkte sie mich, das tut immer gut. Das haben wir auch alle schon gemacht. Da wusste ich, dass ich hier richtig bin. Hier gehöre ich hin, hier versteht man mich endlich nach dieser langen, trostlosen einsamen Zeit. Hier bin ich nicht mehr alleine. Zum Schluss sagte sie zu mir – komm wieder. Und ich kam wieder, jede Woche, Woche für Woche.

Heute habe ich eine Rettungstasche

Foto einer 1.Hilfe Tasche

Fast meine ganzen ersten zwei Jahre bei Al-Anon bin ich einfach immer wieder hin, einfach, weil es mir irgendwie gut tat. Die Gruppe, die Struktur, die Klarheit, die Verlässlichkeit, die Texte, die Erzählungen… all das zog mich an. Ich ging relativ regelmäßig zu den Meetings und hatte doch in mir Zweifel, ob ich je es verstehen würde oder ob ich jemals innerlich wirklich zu Frieden und Freude finden würde.

Wann kam bei mir dieser „magische Moment“? Würde ich dann endlich dauerhaft meine Höhere Macht spüren? Spüren, was gut für mich ist und mich um mich kümmern können? Meine zwanghaften Kontrollaktivitäten und das ungefragte Einmischen in das Leben aller anderen, besonders meiner Lieben, endlich lassen?

Aber all das blieb aus. Ich dachte immer noch, jemand anderes würde es für mich tun – mich retten. Ich überlegte auch, nicht mehr zu kommen, entschied mich aber immer wieder dafür, bis mir endlich auffiel, dass ich meinen Teil der Arbeit vergaß. So übernahm ich den gerade frei gewordenen Dienst der Kassenwartin und suchte mir eine Sponsorin. Ich begann, mit ihr in den Schritten zu arbeiten und bin immer noch dabei. …weiterlesen …

Wie geht es mir mit Al-Anon?

Foto einer Holzpyramide mit brennenden KerzenEs ist unglaublich, wie sich mein Leben durch Al-Anon verändern konnte!
Ich kam als verzweifelte, hoffnungslose und hilflose Frau zu Al-Anon. Mein Mann war Dauertrinker. Weil er dann endlich bereit war mit mir in eine (professionelle) Beratung zu gehen, zog ich den schon gestellten Scheidungsantrag zurück. Er war fast immer alkoholisiert, während unsere 4 Kinder schulpflichtig und  erwachsen wurden.
Wie ich es auch von anderen Angehörigen kenne, so unternahm ich alles Mögliche, um meinen Partner vom Alkohol abzubringen. Nichts half. Ich wollte etwas erreichen – bei ihm. Aber er machte nicht mit. Heute weiß ich, dass die Alkoholsucht eine Krankheit ist.
Einmal angefangen, kann der Alkoholiker mit dem Trinken nicht aufhören. Die Alkoholkrankheit ist auch eine Familienkrankheit. Alle, die um den Alkoholiker herum sind, leiden darunter und verhalten sich, wie sich Angehörige verhalten. Sie tun alles in ihrer Macht Mögliche für den anderen, in dem Fall, um den Alkoholiker „trockenzulegen“.

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